Filz aus Wolle ist ein wichtiger Werkstoff bei der Raumgestaltung und der Herstellung von Accesoires. Wie entsteht der Wollfilz und was macht ihn so wertvoll für uns?
Wollfilz gehört zu den Textilien aus dem Bereich „Non-Woven“ (nicht gewebt) und wird aus Schafwolle oder Schurwolle hergestellt. Er ist vermutlich einer der ältesten Stoffe der menschlichen Geschichte. Die Wolle lässt sich durch Feuchtigkeit, Wärme und Reibung verfilzen, festigen und zusammenpressen. Dadurch entsteht ein ebenmäßiger flächiger Stoff ohne Gewebestruktur, der Wollfilz.
Die Wollfasern haben an der Oberfläche schuppige Plättchen (Cuticula Schuppen), die wie Widerhaken wirken. Bei Feuchtigkeit und Wärme stellen Sie sich auf. Kommt nun Reibung auf die Fasern, werden Sie zusammengefügt und verhaken sich ineinander.
Zuerst wird die Rohwolle gereinigt und kardiert (zum Vlies aufbereitet). Dann werden die Fasern der Wolle durch mechanisches Walken und Hämmern in Verbindung mit warmem Wasser fest miteinander verbunden, ungeordnet verschlungen und verhakt. Der Vorgang kann durch Seifenlauge beschleunigt und verstärkt werden. Dieser Prozess kann sowohl industriell im großen Maßstab erfolgen als auch zu künstlerischen Zwecken von Hand. Je nach Art der Wolle, Dauer und Stärke der Bearbeitung kann der Filz von fluffig weich bis bretthart werden. Dabei geht der Filz ein: die Fläche verringert sich um bis zu 50%.
Dazu gibt es 2 unterschiedliche Methoden:
Durch das im Filz enthaltene Lanolin (Wollwachs oder auch Wollfett genannt) perlen Wassertropfen zuerst an der Oberfläche ab, bevor sie eindringen. So können sie einfach abklopft oder abgetupft werden. Auch Schmutz kann durch die natürliche Fettschicht schwerer in die Fasern eindringen und den Filz verunreinigen. Das kann man sich vorstellen wie bei einem Lotuseffekt.
Die Naturfaser Wolle ist sehr hitzebeständig. Auch bei starker Hitze brennt sie nicht, sondern verkohlt ab ca. 320°C. Durch die Dichte des Filzes kommt schwer Sauerstoff an die Wolle, was zusätzlich die Verbrennung hemmt. Um wirklich keinen Schaden an den Produkten anzurichten, können Sie den Wollfilz Temperaturen bis ca. 220°C aussetzen.
Die Fasern des Wollfilzes dämpfen Lärm und schlucken Geräusche: Sobald die Schallwellen auf den Filz treffen, werden sie nicht, wie durch eine harte Oberfläche, reflektiert. Die weiche Oberfläche des Filzes mit seinen unregelmäßigen Fasern und den Lufteinschlüssen absorbiert den Schall. So können Sie durch die Verwendung von Wollfilz und Wollfilzprodukten in Ihren Räumen für etwas mehr Ruhe sorgen.
Eigentlich ist es beim Filz gar nicht die Wolle, die für die isolierenden Eigenschaften verantwortlich ist, sondern die im Filz eingeschlossene Luft, die als schlechter Leiter den Wärmetausch verhindert. Die Wollfasern schließen also die Luft ein, so dass sie innerhalb des Filzes schlecht zirkulieren kann. Die Wolle dient in diesem Fall nur als „natürlicher Träger“ der Luft. Deshalb ist der Filz so angenehm sowohl bei Wärme als auch bei Kälte.
Wollfilz ist durchlässig für Wasserdampf, und kann Feuchtigkeit an der Wollfaser transportieren. Er kann bis zu 50% seines Gewichtes an Wasserdampf aufnehmen, speichern und dann nach und nach an die Umgebung wieder abgeben. Dabei verliert er seine dämmenden Eigenschaften nicht. Filz ist weich, fühlt sich angenehm an und verursacht als natürliches Material keine Reizungen an der Haut.
In vielen unserer Wohnräume sind Baustoffe eingesetzt, die Formaldehyd an die Raumluft abgeben. In der wissenschaftlichen Arbeit von Stefan Thomé von 2006 wurde nachgewiesen, dass Wolle einige belastende Schadstoffe binden kann: Der Filz enthält das Wollprotein Keratin, das zusammen mit den Stoffen Lysin, Tyrosin und Tryptophan Schadstoffe aus der Raumluft absorbiert. So kann Wollfilz zu einer gesünderen und sauberen Raumluft beitragen.
Wolle ist ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff. Der Filz bzw. die Wolle kann durch Mikroorganismen wieder in seine elementaren Bestandteile zerlegt werden. Dabei werden, ähnlich wie bei Hornspänen, Mineralien und Stickstoff freigesetzt. Deshalb wird Wolle auch als Düngemittel verwendet. Sie ist biologisch abbaubar oder kompostierbar und kehrt so in den natürlichen Kreislauf zurück.
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